Der HSV manövriert sich selbst in den Abgrund

 Nach einer absolut indiskutablen Leistung in der zweiten Halbzeit hat der HSV Hockenheim in der Handball-Badenliga gegen den zuvor stark abstiegsbedrohten TV Knielingen mit 28:29 (17:14) sein Heimspiel verloren und sich damit selbst wieder in große Not gebracht. Die wenigen Zuschauer in der Jahnhalle trauten ihren Augen nicht, als der HSV nach einer eigentlich komfortablen 17:14-Halbzeitführung im zweiten Durchgang gar nicht mehr ins Spiel kam, fast zehn Minuten kein Tor warf, mit 17:18-Toren in Rückstand geriet und dann total den Faden verlor. Es schien plötzlich eine andere Hockenheimer Mannschaft auf dem Feld zu stehen, die dem ums Überleben kämpfenden Kontrahenten einfach nicht mehr das Wasser reichen konnte. Zu allem Überfluss verwarf der sonst so treffsichere Simon Gans in der letzten Minute einen Strafwurf, der wenigstens das Remis bedeutet hätte. Nach diesem bitteren K.o. muss die Frage erlaubt sein: Haben die Hockenheimer den Ernst der Lage noch nicht erkannt?

 „So kann es einfach nicht mehr weitergehen“, ärgerte sich nach der Pleite nicht nur der langjährige HSV-Betreuer Hubert Renz, der sich den Leistungseinbruch seiner Mannschaft einfach nicht erklären kann. Da ändert auch die Tatsache nichts, dass die Rennstädter mit Luca Mansel einen Jugendtorwart nominieren mussten, da David Rojban (urlaubsbedingt) und Pascal Lang (Oberschenkelverletzung) nicht einsatzbereit waren. Der 17-Jährige Mansel machte in seinem Debütspiel seine Sache recht gut, wurde von seiner Abwehr in der zweiten Hälfte aber ein ums andere Mal im Stich gelassen und von den wurfgewaltigen Knielinger Rückraumwerfern Benjamin Borrmann und Sven Walther mehrfach überrascht. Und da müssen sich auch die Hockenheimer Verantwortlichen fragen lassen, weshalb sie in den zweiten 30 Minuten plötzlich eine veränderte Formation aufboten, zumal es in den ersten 30 Minuten – bis auf wenige Ausnahmen – doch recht gut gelaufen war! Drei Runden vor Saisonende tauchen im Hockenheimer Handball-Lager plötzlich brisante Fragen auf, die eigentlich nach der Vorrunde „abgearbeitet“ schienen. Nicht nur HSV-Trainer Daniel Müller war nach der Partie bedient: „Wir haben in Halbzeit zwei plötzlich das Handballspielen eingestellt, uns mehr mit strittigen Schiedsrichter-Entscheidungen auseinandergesetzt als mit dem Gegner. Jetzt müssen wir so schnell als möglich wieder den Hebel umlegen…“

 In der ersten Spielhälfte dominierte eindeutig der HSV, der nach dem 5:5 in der 9. Minute fast mühelos davonzog und nach dem 12:8-Treffer des Nachwuchsmanns Rouven Hoffmann das Geschehen deutlich im Griff hatte. Nur einen Vorwurf mussten sich die Hockenheimer gefallen lassen: Wieder einmal wurden zu viele Chancen ausgelassen, was sich in der zweiten Hälfte rächen sollte. Das 17:14 zur Pause schien ein beruhigendes Polster zu sein. Doch danach begann das Drama: Innerhalb von nur sieben Minuten verspielte der HSV seinen Kredit, geriet mit 17:18 in Rückstand und plötzlich lagen bei allen auf der Hockenheimer Bank die Nerven blank. Jetzt waren es die Karlsruher Vorstädter, die ruhigen Kopf bewahrten und sich auch nicht von diskussionswürdigen Entscheidungen der Unparteiischen beeinflussen ließen. Das „enge“ Spiel ging bis zur letzten Minute. Und als Gans beim 28:29 dann auch noch den letzten Siebenmeter neben das TVK-Gehäuse warf, war der Frust bei den Rennstädtern riesengroß…

 HSV: Mansel, Lang (n.e.); Freiseis (3), Hoffmann (1), Anschütz (2), Schwögler, Gans (7), Balci, F. Gubernatis, Hess (4/2), Diehm (1), Dumitru, Meyer (3), Schinke (7). teu  

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